Gangnam Kid

Aktualisiert: 22. Jan. 2019


Das erste Halbjahr war fast überstanden! Das erste von zwei wohlbemerkt. Mein Sohn wurde 2013 eingeschult und gehörte in seiner Klasse, neben den Stern - und Mondkindern mit zu den Sonnenkindern. Er war in einer Jül - Klasse und lernte zusammen mit anderen Kindern, die 2 - 3 Jahre älter waren als er.

Die "Jül - Klassen" in den Grundschulen bedeuten: jahrgangsübergreifendes Lernen, und dieses System wurde bereits 2005 vom Berliner Senat eingeführt.

Das bedeutet, die älteren Kinder unterstützen die jüngeren beim Lernen und der Lehrer muss seine Kontrollarbeiten nicht mehr zu Hause korrigieren, wo er ja eh schon so wenig Freizeit hat, sondern kann dies ganz gemütlich in den Schulstunden erledigen. 


Keine Mutter mag Kritik an Ihrer Erziehungsweise.


Zum Glück ist mein Kind nicht schüchtern und hat schnell Anschluss gefunden, ohne sich großartig beweisen zu müssen. Durch seine fröhliche Art und sein Talent, Menschen zum Lachen zu bringen, hat er die ganze Klasse für sich gewonnen.

Als ihn die Lehrerin fragte, wo er am Wochenende war und was er denn so gemacht hat, antwortete mein Sohn einmal: „Ich war bei Oma und habe Computer gespielt.“

„Und was gab’s zu essen?“, fragte sie.

„Kakerlaken.“

Frech und blitzschnell kam die Antwort und das Gelächter war groß.

Als er mir das erzählte, fand ich es witzig aber schon etwas respektlos gegenüber der Lehrerin, denn ich finde eine respektierende Distanz soll eine gesunde Schüler - Lehrer - Beziehung schon haben.

Doch die Lehrerin hatte bereits Ihre eigene Theorie aufgestellt. Und all ihre Vermutungen habe ich bei meiner ersten Elternsprechstunde abgekriegt.


Ich glaube keine Mutter mag es, wenn man sie in Ihrer Erziehungsweise kritisiert. Aber noch schlimmer ist es, wenn Vermutungen von fremden Leuten aufgestellt werden, die selber keine Kinder haben und dennoch glauben Sie könnten alles richtig deuten.


In einem Elterngespräch hat Lehrerin B. mir mitgeteilt:

„Ihr Kind wird von der Oma vor den Computer abgeschoben, dabei schaut er sich wahrscheinlich gewalttätige Filme an. Woher sonst kommt der Hang zu Waffen und Monstern?“

Das war mir neu! Als einziger Enkel (damals! Mittlerweile hat er Konkurrenz von seiner kleinen Schwester bekommen) wird mein Sohn bei seinen Großeltern verwöhnt und verhätschelt. Wenn er Lust hat rauszugehen, dann gehen sie spazieren oder auf den Spielplatz. Hat er Lust sein Lieblingsspiel zu spielen oder den Clip von PSY zu schauen und dabei den Gangnam Style nach zu tanzen – bitte sehr wird der Computer hochgefahren. Klar Waffen liebt er! Wir waren 2013 in der „Ich möchte Polizist werden Phase“ und Monster? Ah bitte die Droiden aus Star Wars sind Monster!

„Außerdem verweigert sich Ihr Sohn dem Lesen. Lesen Sie den zu Hause?“, frage Sie mich allen Ernstes.

„Wir lesen jeden Abend!“, sagte ich zu Ihr. „Ich schreibe sogar!“, fügte ich hinzu, um zu verdeutlichen, dass wir Wert auf Bücher legen, aber sie dachte wahrscheinlich, dass ich sie auf den Arm nehme, sie wusste auch nicht, dass ich Schriftstellerin bin... jedenfalls war ihr Blick eindeutig.

Das schlimmste war jedoch, dass mein Sohn ein paar „eklige“ Sachen gemacht hat.

„Ihr Sohn hat eklige Sachen gegenüber den Mädchen gemacht“, sagte sie, stand auf und machte seine Bewegung nach. Macht sowas eine richtige Lehrerin? Ich dachte diese hatte ein paar psychische Probleme und kein Schamgefühl.

Er fasste sich nicht mal an den Schritt, aber Jungs machen eben eklige Sachen um vor Mädchen anzugeben und um sich zu beweisen.

Ich saß fassungslos und allein da. Der Papa ist ja nicht mitgekommen.

Ich bin verantwortlich für diesen Kleinen Kerl und tue mein Bestes für seine Erziehung und dann kommt so etwas!

Zum Schluss sagte sie: „Darüber müssen wir aber kein Wort mehr verlieren. Wir können auch alles wieder vergessen.“

Aus dem Klassenzimmer ging ich also als schlechte Mutter raus, die mit ihrem Kind weder Geschichten ließt, noch mit ihm etwas unternimmt, stattdessen wird er bei der Oma abgesetzt und vor den Computer gepackt, wo er sich gewalttätige Filme anschaut, mit Monstern und Waffen. Aber das bin ich nicht! Ich bin eine alleinerziehende Mutter, die alles darum gibt, dass Ihr Sohn zu einem guten Menschen heranwächst und ihm alles bietet was seinen Horizont erweitert.


Als ich es meinem Ex-Mann erzählte war es ihm so peinlich und er wurde so verärgert über diese Verleumdung, dass er sich schwor zu keiner einzigen Elternversammlung mehr zugehen. Na toll, dass bedeutet ich muss hin!


Einen Monat später sagte mein Sohn Lehrerin B. ist nicht mehr da und er bekommt eine neue Lehrerin. Wieso sie ging wissen wir nicht, wahrscheinlich war Lehrerin B. nicht mehr Herrin Ihrer Sinne. Oder mein Böser Blick hat sie letztendlich doch erreicht.

Für den Papa gab es eine gute Nachricht und eine schlechte Nachricht.

Die gute war die intrigante Lehrerin war weg aus der Schule und die schlechte war gelinde gesagt, dass er wieder zur Elternversammlung gehen konnte.


Anastasia Weimer


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